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Pressemitteilung 5. April 2002 Experten
diskutierten über IT für „Old Economy“
Halle/Leipzig. Führt ein Unternehmen IT-Anwendungen ein, verändert es sich. Das ist die zentrale Erkenntnis des Diskussionsforums „Wie viel ‚e‘ braucht ein Unternehmen?“ beim 4. eForum New Economy Halle-Leipzig in Halle. Gemeint ist damit weniger die Veränderung von Abläufen durch den Einsatz von Software „von der Stange“, sondern die Optimierung von Produktionsprozessen vor oder während der Einführung neuer Systeme. An dieser Stelle bedarf es einer engen Kooperation von Anwendern und Systemanbietern. So kritisierte Andreas Heilmann, Geschäftsführer des Entsorgungsunternehmens RWE Umwelt Sachsen-Anhalt GmbH, die hohe Zahl von Systemabstützen, die oftmals auch in neueren Versionen nicht abnehme: „Die Anfälligkeit der Software hat dazu geführt, dass sich bei uns ein Mitarbeiter ausschließlich damit befassen muss, die Systeme am Laufen zu halten.“ Außerdem werde bei Softwarepaketen maximal ein Fünftel des Funktionsumfangs genutzt. Stephan Abend, Vorstandvorsitzender der Konsum Leipzig eG, ergänzte, dass die Anpassung von Programmen an die Wünsche des Unternehmens sehr viel koste. Er suche deshalb zunächst am Markt nach Hard- und Softwareherstellern, deren Produkte seinen Vorstellungen am nächsten kommen. „Entscheidend ist, dass ich als Anwender weiß, was ich mit Hilfe von IT verändern will und was ich dazu brauche. Man muss sich vorher Gedanken machen und man muss wissen, dass man nicht alle Wünsche durchsetzen kann.“ In einer Branche wie dem Handel brauche ein Unternehmen jedenfalls sehr viel „e“ – vor allem in der Kommunikation mit den Filialen, den Lieferanten und den Kunden. Für produzierende Unternehmen brachte es Hans-Joachim Clobes, Vorstand des Sachsen-Anhalt Automotive e. V. auf eine andere Formel: „Der Mittelstand braucht mehr ‚e‘ als er derzeit hat, aber nicht so viel wie Unternehmen der Kommunikationswirtschaft.“ Sein Netzwerk von Automobilzulieferern nutzt zurzeit eher konventionelle Medien, um Ressourcen der Mitgliedsfirmen zu verknüpfen. „Das Wichtigste und Effektivste ist immer noch das Telefongespräch, gefolgt vom Fax. E-Mails muss man oft hinterher telefonieren.“ Aus Sicht der Anbieter von IT-Lösungen hob Holger Klappstein, Geschäftsführer der MSO concept GmbH, hervor, dass die gesamte IT-Einführung von Organisation begleitet werden muss. „Es ist ein Trugschluss zu denken, nach dem Kauf einer Software würde alles laufen. Ein System muss flexibel sein, man muss sich auch mit den Schnittstellen zwischen vorhandener Hard- und Software und den neuen Modulen auseinandersetzen.“ Der Geschäftsführer der RegioCom GmbH Barleben, Klemens Gutmann, betonte: „Ein System ist immer nur so gut wie die Prozessbeschreibung, die ihm zugrunde liegt. Oftmals sind kurz vor der Einführung noch Änderungen nötig, weil sich Prozesse verändert haben. Das System reift beim Kunden.“ Die Anbieter von IT-Lösungen stellten deshalb ihre Rechnungen erst, wenn das System laufe, der Anwender also selbst damit Geld verdienen könne. „Zwischen Anbietern und Kunden muss Vertrauen aufgebaut werden“, ergänzte Holger Klappstein von der MSO concept GmbH. Für ihn gibt es aber noch ein weiteres Problem: „Wir haben in Sachsen-Anhalt keinen einzigen Kunden, wohl aber deutschlandweit und in Europa.“ Zum Thema eCommerce sagte Andreas Heilmann (RWE Umwelt Sachsen-Anhalt GmbH): „Das ist kein Allheilmittel für Branchen, die sehr beratungsintensiv sind. Wir haben versucht eCommerce einzuführen, aber bisher nur wenig Kundenresonanz.“ Einen web-basierten Lieferservice unterhält die Konsum Leipzig eG. Deren Vorstandvorsitzender Stephan Abend sagte: „Ein Online-Shop muss mit Aktionen sehr lebendig gehalten werden, da ist gutes Marketing nötig.“ Die spezifische Bedeutung des Handels im Internet hob Klemens Gutmann von der RegioCom GmbH hervor: „eCommerce ist ein Werkzeug für die Liberalisierung bisher geschlossener Märkte, wie Versorgung oder Gutachterwesen. Funktionierende Informationstechnologien sind geradezu die Voraussetzung für die Öffnung dieser Märkte.“ Kontakt: |
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